Rede des Landesvorsitzenden Franz Schaupmann

 

Vollversammlung des NÖ Landesverband der Elternvereine
17.3.2017, St. Pölten

 

Ab 1997 habe ich 6 Jahre den EV in Vitis geleitet, damals eine 8-klassige Volksschule. In diese Zeit fiel auch ein Schulleiterwechsel, wo es zwischen der Bürgermeisterin und mir Auffassungsunterschiede zu den Kandidaten gab und diese Stelle noch einmal ausgeschrieben wurde. Dabei  ist mir die Rolle des Elternvereins als Interessenvertretung klar geworden und bin zu der bald darauf (Oktober 2000) folgenden Vollversammlung des NÖ Landesverbandes der Elternvereine gefahren. Heimgefahren bin ich als Landesobmann Stellvertreter  des NÖ Pflichtschul-Verbandes…

Bei meiner ersten Teilnahme an einer Vorstandssitzung  des Ö Dachverbands der Elternvereine an Pflichtschulen – der damalige Bundesvorsitzende Kurt Kremzar war ein NÖ Bürgermeister -  wähnte ich mich anfangs auf einer Expertentagung von Bildungswissenschaftlern. Mein Zugang war eher die Vertretung von Interessen der Betroffenen und  nicht so sehr  das Erteilen von Systemratschlägen.

Konkret auf NÖ bezogen war mir persönlich auch wichtig, als „Landesverband“ die Identität mit dem Bundesland und der Landeshauptstadt zu stärken und gleichzeitig damit Netzwerke für das Gelingen von Projekten und zur Akzeptanzsteigerung zu gewinnen. Ob in Gmünd oder Scheibbs, Bruck an der Leitha, Mistelbach oder Baden  - Wien gilt/galt als Mittelpunkt für NÖ. St. Pölten war das im Jahr 2000 noch nicht so sehr, inzwischen hat sich einiges geändert und unser Elternverband hat auch ein wenig daran mitgearbeitet.

Der damalige Landesschulrats-Präsident Stricker hat mich sehr ermuntert, diesen Weg zu beschreiten, er hat mich unterstützt und in so manchen schulrechtlichen Fragen auch gestützt und beraten. Es war sein ausdrückliches Anliegen, im Haus des LSR einen leistungsfähigen Elternverband zu haben.  Seine Nachfolger haben dies nie in Frage gestellt, nur ein eigenes Büro für die Schülervertretung gibt es immer noch nicht. Der Präsident (Helm) der mir das zugesagt hat, ist mir abhandengekommen……

In meiner Zeit als Elternvereins-Obmann an einer Pflichtschule, als Klassenelternvertreter an einer berufsbildenden höheren Schule bis 2016 und als Landesobmann  ist mir vor allem bewusst geworden, wie wichtig für die Zukunft die Kooperation zwischen Elternvertretung und den Gemeinden als Schulerhaltern  sein wird. Mein Nachfolger als Landesobmann, ein Bürgermeister,  ist  ein Signal von unserer Seite dazu! Das Einräumen eines Nominierungsrechtes für Elternvereine in die Schulausschüsse der Gemeinden  im Pflichtschulgesetz gehört da genauso dazu wie ein Umdenken im österreichischen Abgabensystem. Die LEVNÖ Initiative auf eine „Abgabe auf gewaltverherrlichende Medien und Spiele am Beispiel der Tabaksteuer“ sollte eigentlich kein Lagerartikel in der Steuerreformkommission werden. Der derzeitige Finanzminister Schelling war in seiner früheren Funktion als Obmann der AUVA sogar einmal kurz bei uns im Büro, wir hatten dann ein langes Gespräch in der AUVA kurze Zeit später. Aus unserer Sicht kann es nicht sein, dass die Steuer auf ein Zahnbürstel genauso hoch ist wie auf  den ganzen gewaltverherrlichenden Mist, den die Kinder dann womöglich auch noch auf den künftigen Gratis-PC und I-Pads konsumieren können.  Die Präventionsarbeit wird ohne Gegenfinanzierung der Allgemeinheit überlassen ….

Auch nach meinem heutigen Ausscheiden bleiben die Themen:

Neue Matura: Das LEVNÖ Auskunftsbegehren betr. die Maturaergebnisse an den NÖ Schulen liegt beim Bundesverwaltungsgericht zur Entscheidung. Sollten wir verlieren, wird abzuwägen sein, ob nicht im kommenden Jahr alle Mitgliedselternvereine ein Auskunftsbegehren an das Bildungsministerium stellen.

Neue Mittelschule, Inklusionsschule etc: Ziel der Bildungspolitik muss ein leistungsfähiges und für alle zugängliches, akzeptables öffentliches Bildungssystem sein. Die  Zahlen sprechen eine andere Sprache, der Zulauf zu den privaten Trägern hält ungebrochen an. Was hat ein öffentliches Bildungssystem davon, wenn die leistungsfähigeren SchülerInnen zu privaten Trägern abwandern? Da geht der bestgemeinte Inklusionsgedanke nicht auf….

Für mich war und ist die Arbeit im Elternverein Bürgerbeteiligung im wahrsten Sinn des Wortes und vielleicht ist die politische Landschaft in NÖ deshalb noch nicht so weit aufgesplittert wie in anderen Bundesländern, weil diese Bürgerbeteiligung im Elternverein

  1. Über das ganze Land flächendeckend erfolgt
  2. Von einem dicht organisierten Landesverband betreut wird und
  3. Auch ökonomisch unterstützt wird – unsere Landesförderung erhalten wir vor allem für die Betreuung jener Klassenelternvertreter, an deren Schulen es keinen Elternverein gibt.

Eine der wesentlichen Fragen für eine konfliktarme Zukunft in einem zukunftsorientierten, leistungsfähigen und anerkannten öffentlichen Bildungswesen wird in der Bildungsorganisation daher schon sein, wie und wie effektiv die Schulpartner eingebunden sind … und zwar auf jeder Ebene! Negativbeispiel Bildungsreformkommission:  es waren nicht einmal fraktionelle Schulpartner eingebunden…

Es kann auch die ökonomische Diskussion nicht ausbleiben! Der österreichische Budgethaushalt beinhaltet 8 Mrd. Zuschüsse für die Bundesbahnen, knapp 12 Mrd. Euro Zuschüsse für die Pensionssysteme (ohne Pflegebereich!) und verfügt über knapp 9 Mrd. Euro Budget für das Bildungssystem, der gesamte FLAF hat nicht einmal die Hälfte an Budget gegenüber den Pensionszuschüssen. Langfristig ist diese Gewichtung ein großes Problem für eine Volkswirtschaft.

Entwicklungen daraus sehen wir schon jetzt: immer mehr Pensionisten und immer mehr junge Paare, die sehr spät oder überhaupt keine Kinder wollen (geht nicht wegen Arbeitsplatz, Wohnen usw.)

Ein Generationenvertrag, wie wir ihn im Pensionsversicherungswesen haben, hält nur,  wenn es Generationen gibt, die ihn erfüllen (können). Und ob eine Nachfolgegeneration, die vermehrt aus Zuwanderern besteht, die gleiche gesellschaftspolitische Verlässlichkeit aufbringt wie die derzeitige Erwerbsgeneration – das wissen wir nicht…so ehrlich müssen wir sein….

Daher glaube ich, dass wir unseren Jungen im Land Mut zu eigenen Kindern vermitteln sollten und unsere jungen Menschen in einem gut organisierten und für alle zugänglichen öffentlichen Schulwesen umfassend auf das reale Leben vorbereiten müssen. Da darf auf niemanden vergessen werden und es müssen die vorhandenen Talente bestmöglich gefördert werden. Niemand hat etwas davon, wenn der Schwächste auf der Strecke bleibt und vielleicht als Erwachsener kaum lesen kann und es hat auch niemand was davon wenn die Besten  in die Privatschulen ausweichen, weil ihnen ein öffentliches Schulwesen zu wenig an Talente Förderung bietet…

Das LEVNÖ Logo besteht aus dreimal „L“ und steht  für lebenslanges Lernen:

Lernen durch Vorbild: ein Beweggrund für die Mitarbeit im Elternverein war und ist es auch, Vorbild zu sein. Das beginnt beim Vorsitzenden, den Mitgliedern des Vorstandes, den MitarbeiterInnen und unserem gemeinsamen Umgang mit dem System Schule.

Alle LandesschulinspektorInnen waren zumindest einmal zu einer Diskussion mit Eltern eingeladen und ein wertschätzender Umgang selbst in schwierigsten Diskussionen war und ist uns wichtig.

Unsere Mitgliedsvereine erwarten Antworten und Lösungen auf ihre Anfragen. Ob es um Statutenänderung geht oder darum ob ein Elternverein das Buffet für die Ehrengäste bei der Verabschiedung eines Schulleiters finanzieren soll, oder um eine  Mediationen zwischen Schulleitung und Eltern. Nicht jede Intervention ist mit so viel Aufwand verbunden wie z. B. unser Einsatz für das MIlREG, aber es vergeht keine Woche wo nicht Eltern und Elternvereine Sorgen an uns herantragen, zuletzt gestern eine Volksschule aus dem Weinviertel …

Was bleibt von den letzten 15 Jahren:

Sichtbare Spuren bei der Verbesserung des Berufsorientierungsunterrichts, ein steigendes Interesse der Sozialpartner in NÖ mit unserem Elternverband zusammenzuarbeiten. Historisch war sicher auch unser Einsatz, obwohl nicht unsere Aufgabe, an einer Informationsoffensive zur neuen Matura mitzuwirken. In keinem anderen Bundesland geschah das mit dieser Intensität  und zum Dank dafür sind wir jetzt beim Bundesverwaltungsgericht, um Auskunft über Daten zu erhalten.

Die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl ging von NÖ aus und wurde 2006 im Herbst mit einer gemeinsamen Pressekonferenz  von Landesrätin J. Mikl-Leitner und mir politisch eingeleitet. Kollegin Nigischer war dabei …

Ich meine auch, wenn es unseren Verband im Haus des Landesschulrats nicht gäbe – er würde fehlen – die Mitarbeiter würden fehlen. In NÖ sind die Eltern und ihr Landesverband ein fixer Teil der Bildungspolitik. Das tut dem Elternverband gut  (hohe Akzeptanz bei den Mitgliedern), tut der öffentlichen Bildung gut und tut dem Land gut.

Ich persönlich nehme aus diesen 15 Jahren als Obmann ein großes Netzwerk an Kontakten in Stadt und Land mit, das weit über NÖ hinausgeht. Ich habe in dieser Funktion auch den Bildungs- und Lebensweg der eigenen, nunmehr erwachsenen Kinder viel genauer und enger wahrgenommen und mir damit bei meinen Kindern ein sehr großes Vertrauen erworben, für mich ein unschätzbarer Wert!

Wir brauchen ein öffentliches Bildungssystem für alle, das auf lebenslangem Lernen aufbaut, das Vertrauen schafft und Vertrauen verdient, das die Schwächeren in die Mitte nimmt und die Leistungsfreudigen bestärkt und beflügelt, das Ideen und Innovationen aus der Praxis zulässt und das die Wissenschaft dort einbindet, wo sie Wissen schafft  - und nicht in eigener Sache lobbyiert!

 

Ein solches Bildungssystem geht eigentlich nur MIT DEN ELTERN!